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Alisa`s CED Geschichte 2/2

Alisa`s CED Geschichte 2/2

Das Leben von Alisa Hünerfeld wurde im Jahr 2013 durch die Diagnose Colitis Ulcerosa komplett auf den Kopf gestellt. In ihrem ersten Blog Artikel nimmt sie uns mit auf die Reise mit ihrem sogenannten "Kumpel", der ihre ganze Familie gerne mal auf Trapp hält. Erfahren Sie mehr..
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Alisa`s CED Geschichte Teil 2/2

15. Oktober 2015, der große Tag war gekommen. Nach mehreren Voruntersuchungen stand nun meine allererste Operation an. Ich finde für die erste Operation in meinem Leben hätte ich mir vielleicht aus mal etwas Kleineres aussuchen können. "Aber, das kann ja jeder“ dachte ich mir. Meine Mutter verbrachte die Nacht gemeinsam mit mir im Krankenhaus. In meinem Krankenbett wurde ich zum OP-Saal geschoben. Meine Eltern waren dabei immer an meiner Seite und begleiteten mich natürlich mit "IA" (Kuschelesel) bis zur Tür. Ich lag im OP-Vorraum und in meinem Kopf drehte sich alles nur um diese eine Operation. Ich würde nach vier Stunden aufwachen, mein Dickdarm wäre weg, die Ärzte würden einen Pouch aus meinem Dünndarm formen, der dann an meinem After angenäht werden würde und für den Übergang hätte ich ca. drei bis vier Wochen einen künstlichen Darmausgang. Es vergingen sieben Stunden bis ich in den Aufwachraum geschoben wurde und konnte dann endlich nach elf langen Stunden von meiner Familie in meinem Zimmer empfangen werden. Ich war unglaublich müde. Dank der vielen Schmerzmittel spürte ich zum Glück nichts. Einen Aspekt spürte ich aber deutlich. Es war das Gefühl von einem großen Loch in meinem Bauch. Ich lag in meinem Bett und schlief. An meinem Fußende saßen noch meine Mutter und Tante, die sich leise im Flüsterton unterhielten und mich immer im Auge behielten bis ich aufgrund der plötzlich, furchtbaren Schmerzen im linken Oberbauch lautt Aufschrie. Kein Schmerzmittel half dagegen und ich bekam Fieber.

Nach zwei Tagen wurden meine Schmerzen nicht weniger und das Fieber stieg immer weiter, sodass mein behandelnder Oberarzt dies nicht mehr auf die lange komplizierte Operation beziehen konnte. Es wurde ein MRT angeordnet, aber es war keine Auffälligkeit zu sehen, bis auf eine tiefe Bauchthrombose. „Diese Thrombose löst aber kein Fieber und keine Schmerzen im linken Oberbauch aus“ so der Oberarzt. Aus diesem Grund hörte der Oberarzt auf sein Bauchgefühl und ordnete eine Notoperation an.

Einige Stunden vergingen und ich öffnete meine Augen auf der Intensivstation wieder. Auf der einen Seite stand mein Vater und auf der anderen Seite meine Mutter und wieder mit dabei mein "IA". Ich konnte mich kaum noch bewegen und alles tat weh. Durch die Notoperation musste meine gesamte Bauchdecke geöffnet werden. Dies war bei der ersten Operation vor zwei Tagen nicht der Fall, da diese laparoskopisch durchgeführt wurde. Aufgrund meiner langen Einnahme von Kortison in Höchstdosis wurde mein Dünndarm porös, sodass es im linken Oberbauch zu einer Dünndarmperforation und einer Bauchfellentzündung kam.


So wie es nach meiner allerersten Operation anfing, so ging es auch weiter. Ich nahm alle Komplikationen mit, die ich mitnehmen konnte. In meinem frisch zusammen gebastelten Pouch, wobei sich die Chirurgen mit Sicherheit ganz viel Mühe gegeben haben, bildete sich eine kleine Fistel. Da der Pouch aus meinem Dünndarm erstellt wurde, trat durch das kleine Fistelloch der produzierte Schleim meines Dünndarmes in den Bauchraum ein. An diese Stelle konnte operativ leider nicht gelangt werden. Die einzige Hilfe war eine Drainage, die durch meine Gesäßmuskulatur bis in meinen Bauchraum geschoben wurde.

Von nun an war ich hinsichtlich der Bewegung an mein Bett gefesselt. Ich hatte Schmerzen von meiner großen Bauchnarbe und an meiner linken Pobacke, wo die Drainage lag. Die Ärzte gaben sich hoffnungsvoll und sagten mir, dass ich in spätestens sieben Wochen die Drainage los werden würde. Aus sieben Wochen wurden 12 Wochen. Da mein Körper diesen Schlauch leid war, sto´ß er ihn ab. Aufgrund der Fistel behielt ich natürlich länger als drei bis vier Wochen mein Stoma. Ich sage nur eins, ich habe dieses Stoma gehasst. Das Stoma wurde falsch angelegt. Anstatt, dass es weit über der Haut stand, hat es sich reingezogen. Dies bedeutete für mich, im Sitzen zu schlafen. Meine derzeitige Stomatherapeutin und meine Mutter versuchten jeden Versorgungswechseln so vorsichtig wie möglich zu machen, da sich bei jedem Wechsel der Versorgung ein Stück Haut mit ablöste. Ihr habt richtig gelesen, meine Mutter und meine Stomatherapeutin haben meine Versorgung immer durchgeführt, da ich nichts mit diesem Ding zu tun haben wollte. Es war aber da, es tat mir weh und machte mir das Leben noch schwerer, als es zu dieser Zeit eh schon war und außerdem sollte das Stoma wieder gehen, sodass ich wirklich kein Interesse an einer Freundschaft hatte.

 

Der Krankenhauskoller machte sich bemerkbar und ich hatte Sehnsucht nach meinem Pferd Resi (Resümee). Also nahm mich meine Mutter mit ärztlicher Erlaubnis ins Auto und ich durfte endlich wieder mein Pferd sehen und auch fühlen. Resi war schon immer ein Frechdachs und er hat nur Flausen im Kopf. Am liebsten stupste er mir immer in meinen Bauch, um mich zum Spielen zu animieren. Von diesem Tag an, tat er es nie wieder.

Zwölf Wochen sind vergangen und ich kam endlich aus dem Krankenhaus. Damals wog ich nur noch 42 Kilo und hatte einen schlabbrigen Popo. Wisst ihr eigentlich, was für ein Geschenk eine Dusche sein kann? Zuhause angekommen, stand ich gefühlt drei Stunden darunter, da das Duschen aufgrund der ganzen Narben im Krankenhaus nicht möglich war.

Dank meiner Familie und meinen Freunden bekam ich jeden Tag neue Kraft und Energie geschenkt, sodass ich mein Lächeln nicht verlor. Ich war optimistisch, dass sich alles wieder zum Guten wenden und am Ende alles irgendwie einen Sinn ergeben würde. Aber es gab und es gibt sie immer noch. Die Tage, an denen ich alles verfluche und mich frage, warum ich? Was habe ich falsch gemacht? Wieso, weshalb, warum? Dann fließen auch die Tränen und es ist auch gut so, dass es diese Tage gibt. Wenn es diese Tage nicht geben würde, dann wäre es auch nicht richtig!